Dr. med. Frank Ulrich Montgomery
Neues Jahr - neues
Glück...
Ein frommer Wunsch, der wohl nicht in Erfüllung gehen wird
Editorial im Hamburger Ärzteblatt, Ausgabe 1/2007
Wir dürfen uns auf einiges gefasst machen: Das Jahr 2007 wird uns alle schwer treffen. Die Debatte um die Gesundheitsreform wird parlamentarisch erst im April beendet sein – politisch wird sie uns das ganze Jahr begleiten. Dramatische Strukturänderungen in der Selbstverwaltung, neue Budgetierungsformen, die im Gewand eines „Euro-EBM“ daherkommen und kräftige Beitragssatzsteigerungen werden zu hoher Nervosität bei unseren Politikern führen.
Man wird die Schuld bei uns suchen: Krankenhäuser sind nur noch „Kostentreiber“, niedergelassene Ärzte nur „Budgetmaximierer“. Die Selbstverwaltung ist zum Abschuss freigegeben. Erst die Kassenärztliche Vereinigung, dann kommt die Ärztekammer dran.
Was können wir tun? Die Proteste des Jahres 2006 haben wenig bewirkt, zu wenig. Von der Politik wurden sie als lästige Nadelstiche empfunden, wirklich wehgetan haben sie nicht. Es muss uns zu denken geben, dass wir gemeinsam die größten Ärzteproteste seit der Gründung der Bundesrepublik auf die Beine gestellt haben und zugleich die Politik das schlimmste Spargesetz aller Zeiten auf den Weg bringt.
Wir müssen unsere Protestform ändern. Erstens brauchen wir bessere und schnellere Kommunikationsstrukturen. Zweitens müssen wir noch viel Öffentlichkeitsarbeit leisten. Wir brauchen eine professionelle Kampagne, die die Patienten über den Wert unseres Gesundheitswesens und die Leistungen der Ärztinnen und Ärzte aufklärt. Drittens brauchen wir noch mehr Solidarität: Praxisschließung oder Streik im Krankenhaus nutzen nur, wenn auch alle mitmachen. Und viertens müssen wir öfter, schneller und härter handeln! Ein Freitagnachmittag alle drei Monate reicht nicht!
Die Ärztekammer und die Kassenärztliche Vereinigung werden sich mit den Verbänden und der Protestallianz zusammensetzen und eine Strategie entwerfen. Wenn das gelingt, haben wir eine Chance.
Wie gerne hätte ich Ihnen im ersten Editorial des Neuen Jahres, am Beginn einer neuen Legislaturperiode der Ärztekammer „frohe Botschaften“ gebracht. Besinnliche Worte vom Wert ärztlicher Arbeit, von der Freude, die wir alle – trotz der bürokratischen Gängeleien – noch aus der menschlichen Seite unseres Berufes ziehen.
Wie gerne hätte ich mit Ihnen gemeinsam eine positive Grundstimmung entwickelt. Im festen Bewusstsein, dass wir in einer dynamischsten Zukunftsbranchen überhaupt arbeiten. Kein anderer Beruf hat soviel gesellschaftlichen Fortschritt „produziert“ wie wir. Niemand sonst hat die Lebenserwartung der Menschen in so kurzer Zeit so verlängert, wie wir. Niemand sonst hat die Lebensqualität Kranker und Sterbender so verbessert, wie wir. In keiner anderen Branche sind so viele sozial wertvolle Arbeitsplätze entstanden, wie im Gesundheitswesen. Der Staat subventioniert jeden Arbeitsplatz im Steinkohlebergbau mit 75.000€ im Jahr – ein junger Oberarzt an einer Uniklinik erreicht im Grundgehalt nicht einmal 60.000€!
Statt gesellschaftlicher Anerkennung bekommen wir Kritik und Häme, Gängelei und Vorwurf. Das ist zum einen sicher typisch für schnell sich entwickelnde Zukunftssysteme. Die Menschen kommen nicht so schnell mit dem Fortschritt mit. Es ist zum anderen aber auch Ausdruck der typisch deutschen „Neidgesellschaft“. Man gönnt uns die Erfolge für unsere Patienten nicht.
Wenn es uns gelingt, dies in der Öffentlichkeit klarzumachen und die Bevölkerung hiervon zu überzeugen, dann haben wir sogar mehr als eine Chance, dann können wir es schaffen!